Letztens, es war ein Sonntag Abend und ich kam mit den Kindern vom Besuchswochenende, mussten wir noch schnell im Bahnhofssupermarkt eine Kleinigkeit besorgen. Die Kassen wie immer mit ewig langen Schlangen, denn immer(!) wollen alle sonntags einkaufen. Aber warum auch nicht, wenn es denn geht in der großen Stadt. Natürlich ist anstehen und warten blöd. Fand auch das Baby irgendwann und wurde quengelig. Aus der Nachbarschlange ließ ein Kommentar tatsächlich nicht lange auf sich warten: (Richtung Baby) „Ach du ärmstes, kein Wunder, dass du weinst, wenn dich deine Mutter hierher schleppt wegen ein paar Beeren. Früher waren die Kinder um diese Zeit ja schon im Bett, aber früher zählt heute ja nicht mehr.“ Hatte ich im ersten Moment noch vermutet, dass sich jemand ernsthaft sorgt, fühlte ich mich stattdessen an den Pranger gestellt und als schlechte Mutter verurteilt. Äh, hallo?!? Geht’s noch? Was will die denn jetzt von mir??!

Leider bin ich nicht schlagfertig genug gewesen in diesem Moment. Ja, das quengeln ist nicht schön, aber in der Schlange stehen macht niemandem Spaß, erst recht nicht, wenn in einer Trage die Bewegung eingeschränkt ist und man nicht einfach rumlaufen kann. Ja, es war abends. Fünf Minuten nach sechs. Fünfzehn Minuten von zu hause entfernt, wo schon das Abendbrot wartete. Auf Kinder, die sowieso meist kaum vor 20 Uhr schlafen. Kann die Trulla ja nicht wissen, hat sie aber ja auch gar nicht interessiert. Ich werde trotzdem wütend und kann meinen roten Kopf noch fühlen, wenn ich an diese Worte denke. 

Anderer Tag, ähnliches Szenario: Mit einem guten Freund und unseren Kindern sind wir in der Bahn auf dem Heimweg. Es ist ein sonniger, trockener Tag. Die Kinder klettern auf die Sitze, um besser auf dem Fenster sehen zu können. Kniend. Und trotzdem kommt schon kurz darauf eine ältere Dame auf uns zu, um uns zu belehren, dass die Schuhe doch nichts auf dem Sitz zu suchen hätten. Ebenfalls: Äh, hallo?! Ja, waren sie ja auch längst nicht mehr, nur während des Raufkletterns, ohne Dreck zu hinterlassen. :-/ Und trotzdem hielten die Belehrungen an, bis wir zwei Haltestellen später wieder ausstiegen. 

Warum trifft es einen als Mutter (oder Vater?) so, wenn jemand eine Meinung über unsere Erziehung äußert? Sollte man nicht dankbar sein über jeden, der nicht einfach weg schaut? Es hieß doch, für die Erziehung eines Kindes brauche es ein ganzes Dorf. 

Grundsätzlich finde ich es gut, wenn es jemanden interessiert, wenn sich jemand für seine Mitmenschen interessiert. ABER: 1. Der Ton macht die Musik! Eine ehrliche Nachfrage, ob das Kind wegen der eventuellen (!) Müdigkeit jammert, hätte ein positives Gespräch in Gang bringen können. Unterstellungen, Anklagen, sogar Beleidigungen von Fremden sind absolut überflüssig. Selbst wenn ein guter Gedanke dahinterstecken könnte, geht der Schuß einfach mal nach hinten los. 2. Wir sind es auch schlicht nicht mehr gewöhnt, dieses Dorf. Weder als Mutter/Vater, noch als Mitmensch. Fehlt deshalb die Sensibilität, das konstruktive an Kritik? Immerhin hat mich die Dame zum Nachdenken gebracht – allerdings nicht über mein vermeintlichen Fehlverhalten, sondern über ihr Verhalten. 3. Es gibt echt solche Typen, die müssen immer und überall ihren Senf dazugeben und wissen alles besser. Bäh. Und nehmen auch nur ihre Sicht der Dinge wahr. Wollen auch nicht andere Meinungen hören. In anderen Ländern nennt man sie vielleicht Trump? Da hilft nur weghören und drüberstehen. (Und hinterm Rücken ne lange Nase machen oder Zunge rausstrecken … für die Seele!)

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