Heute geht es mal um Zähne. Konkreter Anlass: Mein doch eigentlich noch kleines großes Töchterchen hat nach einem kurzzeitigen Zustand der Instabilität ihren ersten Milchzahn verloren. Ich bin vor allem überrascht und überrumpelt, dass dieses Thema jetzt schon – sie ist doch erst fünf und hat noch anderthalb Jahre Zeit bis zur Schule – so auf die Tagesordnung rückt. Aber eigentlich sind Zähne ja viel mehr als nur der Wechsel vom ersten auf das zweite Gebiss. 

Die Zähne sind oft Leidensdruck. So viele Babies plagen sich (und ihre Eltern!) mit dem Durchbrechen der ersten Beißerchen. Was für ein Drama, wenn mit viel Geschrei und glühenden Wangen das ersehnte Kauwerkzeug den Weg zur Beikost ebnet. Wobei, muss auch nicht – hier zum Beispiel wurde und wird trotz Zähnchen lange gestillt und war Essen erst sehr spät ein Thema. Und noch mehr Glück hatten wir: Während das große Kind schon zeitig Fahrkarten lochen konnte (die ersten Zähne mit vier Monaten, mit einem Jahr fast vollständiges Gebiss), kommen beim kleinen Kind die Zähne zwar später, aber ohne viel Gewese quasi fast über Nacht und dann auch gleich mal in Zweier- oder Dreier-Pack. Aber ich kenne viele Eltern, die beim zahnenden Baby quasi selbst auf dem Zahnfleisch kriechen, vor Erschöpfung und mit angespannten Nerven. 

Und es geht ja immer weiter. Sind die Beißerchen erst einmal da, ist Pflege unersetzlich. Und dann fallen die Dinger einfach wieder raus und der ganze Kreislauf geht von vorn los.

Zahnschmerzen sind ja echt die Hölle. Gibt es eine fiesere Qual? Ich bin sehr, sehr dankbar, von meinen Eltern eine wirklich gute Zahnsubstanz und Mundflora vererbt bekommen zu haben. Selbst die freiwillig auferlegte Selbstkasteiung mit einer Zahnspange im fortgeschrittenen Alter von 24 Jahren (sonst durchlebt man dieses Drama doch eher in der Pubertät) war im Nachhinein betrachtet nur finanziell eine Last.

Denn Zähne sind nun mal ein Hingucker. Das betrifft doch sowohl strahlend schöne, leuchtende und gerade Zähne im lächelnden Mund, aber auch verfärbte und krumme Kauleisten, von denen man (dann eher angewidert) kaum einen Blick wenden kann. Das Lächeln ist das persönliche Aushängeschild, und Zähne gehören nunmal unwiderruflich dazu. 

Und dann, im Alter, sorgt man sich ob der immensen Kosten für die Dritten. Mal abgesehen davon, wie viele Menschen in meinem Umfeld durchaus ernste Zahnarztphobien haben und Angstpatienten sind. Bisher sind unsere Kinder aber auf einem guten Weg, das Thema Zahnarzt nicht als Problem anzusehen. Geputzt wird, nach zugegebenermaßen anfänglichen Schwierigkeiten und Protesten, ordentlich und gründlich, bisher ist der Zahnarzt sehr zufrieden. Und ich hoffe, die guten Gene haben sich auch bei ihnen durchgesetzt.

Momentan kämpfen wir aber auch noch an ganz anderer Front. Ich habe das Gefühl, durch den ausgefallenen Zahn finden plötzlich auch ganz andere Emotionen ihren Weg nach draußen. Große Vermissungsanfälle, Tränenbegleitete abendliche Angstzustände, vulkanausbruchsgleiche Wutanfälle aus dem Nichts, trotzige Sturkopfigkeit und lautstarke Vehemenz … Ich schätze mal, wir sind jetzt angekommen in der berüchtigten „Zahnlückenpubertät“!

Zum Glück kam die Milchzahndose genau pünktlich an.
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